Innovative Konzepte und Werkstoffe - Karosseriebau geht neue Wege
Die Karosserieentwicklung bleibt durch den momentanen Fokus der Autobranche auf innovative Antriebe keinesfalls stehen. Zum einen leistet sie über verstärkte Anstrengungen zum Leichtbau ihren Beitrag zur CO2-Minderung. Zum anderen verlangen kleine Fahrzeuge trotz extremer finanzieller Restriktionen nach pfiffigen Lösungen, um vom Kunden akzeptiert zu werden.
Wenn ein US-Amerikaner an deutsche Autos denkt, dann fallen ihm in der Regel zuerst große Business-Limousinen ein. Der gute Ruf von Automobilen "Made in Germany" beruht auf dem weltweiten Erfolg von Audi A6, BMW 5er und Mercedes-Benz E-Klasse, sie stellen sozusagen den Kern des Geschäftsmodells deutscher Autohersteller dar. Die Herausforderung in diesem Segment besteht primär darin, die Tugend in den Disziplinen Dynamik und Komfort aufrecht zu erhalten und den Verbrauch deutlich zu senken. Dem Karosseriebau kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Denn eine weiter verbesserte Leichtbaugüte, definiert als Quotient aus Masse durch Torsionssteifigkeit mal Aufstandsfläche, ist der Königsweg bei der Lösung des Zielkonflikts Komfort versus Verbrauch.
Bei der Limousinenvariante des neuen 5ers ist es BMW gelungen, die Torsionssteifigkeit deutlich zu erhöhen und die Marke von 30.000 Nm/° zu überspringen. Möglich wurde dies durch den verstärkten Einsatz höher- und höchstfester Stähle - die mittlere Festigkeit stieg um 55 Prozent. Mit der Federbeinstütze aus Aluminium hält das Leichtmetall Einzug in einen crash relevanten Bereich der Rohkarosserie.
In einem ganz anderen Segment tritt der neue Opel Meriva an, das zweite Fahrzeug, das wir in dieser ATZ-Titelstrecke porträtieren. Dessen gegenläufig angeschlagene Fondtüren stehen exemplarisch dafür, wie man trotz hohen Kostendrucks pfiffige Lösungen entwickeln und in Großserie verwirklichen kann. Die fast im 90°-Winkel öffnenden Fondstüren erleichtern den Zugang deutlich, nützlich zum Beispiel beim Anschnallen eines Kindes im Kindersitz. Für die elektronische Absicherung des Konzepts - die Türen dürfen bei einer Geschwindigkeit von mehr als 4 km/h nicht zu öffnen sein - leistete Opel Erhebliches. Karosserie- und Elektronikentwicklung wachsen an dieser Stelle fast zusammen.
Für die erfolgreiche Einführung des Elektrofahrzeugs benötigt es noch mehr als nur Leichtbau und emotionale Gestaltung, meint Frank M. Rinderknecht, der die Geschäfte des vom Porsche-Tuner zur Öko-Ideen-Schmiede gewandelten Unternehmens Rinspeed leitet. Im Gespräch mit der ATZ stellt er vor, wie das Auto, zumindest das elektrische Zweitauto, Teil eines intermodalen Verkehrskonzepts wird. Der von ihm auf dem Genfer Salon vorgestellte "Urban Commuter" fährt längere Strecken mit dem Zug.