Akustikentwicklungen für künftige Motorkonzepte
Mit steigenden Komfortansprüchen und strengeren gesetzlichen Rahmenbedingungen hat die Entwicklung des Motorgeräusches in den letzten Jahren einen größeren Stellenwert erhalten. Immer stärker wird die Akustikentwicklung durch Maßnahmen zur CO2-Reduktion geprägt. An zwei Beispielen zeigt die MTZ in dieser Ausgabe, wie sich Zulieferer der Aufgabe stellen.
An die für die Motorakustik relevanten Bauteile werden immer höhere Anforderungen gestellt, die teilweise sogar gegenläufig sind: Einerseits sollen die Komponenten leistungsfähiger werden, andererseits dürfen sie nur wenig Bauraum beanspruchen und müssen flexibel in unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten der Automobilhersteller einsetzbar sein. Und natürlich kann sich die Akustik auch nicht dem aktuellen Entwicklungstrend hin zur weiteren Reduzierung der CO2-Emissionen entziehen. In der Regel haben verbrauchs- beziehungsweise emissionsreduzierende Maßnahmen Nachteile beim Geräusch: Aufladung, Downsizing, Hybridisierung und Leichtbau stellen neue, viel höhere Anforderungen an die Akustik des Fahrzeugs, wie Michael Fischer, Boysen, im MTZ-Interview erklärt.
Diesen Herausforderungen müssen auch Ansaug- und Abgasanlage gerecht werden, die das Geräusch des Fahrzeugs maßgeblich beeinflussen. Auf der Ansaugseite hat Mann+Hummel ein System mit Mündungsklappe entwickelt. Das spart den Bauraum eines großvolumigen Nebenschlussresonators, der insbesondere bei aufgeladenen Motoren zur Geräuschdämpfung eingesetzt wird. Auf der Abgasseite arbeitet Eberspächer an einem aktiven Schalldämpfersystem, bei dem das Abgasgeräusch durch einen elektronisch erzeugten Gegenschall reduziert wird. Die Idee, Schall durch Gegenschall zu kompensieren, ist nicht neu. Der Erfinder Paul Lueg hat sie sich schon 1934 patentieren lassen. Allerdings hakte es bis jetzt an der technischen Umsetzung, insbesondere der Dauerhaltbarkeit des Aktors. Die nun gewonnenen Untersuchungsergebnisse von Eberspächer sind so vielversprechend, dass das Unternehmen mit der Serienentwicklung des Systems beginnt.
Während die Richtung der Akustikentwicklung beim Verbrennungsmotor vorgezeichnet zu sein scheint, ist sie bei Elektrofahrzeugen derzeit noch ungewiss. Lotus beispielsweise stellte auf dem diesjährigen Genfer Autosalon einen Elektro-Evora mit Range Extender vor, bei dem ein Geräuschgenerator verschiedene Motorgeräusche simuliert, vom V6- bis zum V12-Triebwerk. Mercedes-Benz möchte demgegenüber künftig bei Elektrofahrzeugen das typische Klangbild eines Elektromotors erhalten und kein synthetisches Verbrennungsmotor-Geräusch erzeugen. Klar indes ist, dass bei Elektrofahrzeugen die Karten für alle Komponentenhersteller neu gemischt werden - auch für Zulieferer von Akustikbauteilen.