Performance auf zwei Rädern
Die Motorradbranche befindet sich in einem stetigen Wandel. Zweiräder dienen nicht mehr nur als Transportmittel, sondern sind vielmehr Freizeitgeräte, die in erster Linie Emotionen wecken und Fahrvergnügen bereiten müssen. Die technische Weiterentwicklung schreitet dabei beständig voran. Schon längst haben elektronische Fahrerassistenzsysteme wie ABS und Traktionskontrolle Einzug in die Motorradbranche gehalten. Großer Aufwand wird außerdem betrieben, um die Abmessungen der Motoren zugunsten eines geringeren Gesamtgewichts, einer besseren Ergonomie und eines zentraleren Fahrzeugschwerpunkts zu verringern. Nicht zuletzt fordern striktere Emissionsgrenzwerte und ein sich verändernder Kundenstamm eine Vielzahl von zusätzlichen Maßnahmen.
In Deutschland ging 2009 der Motorradabsatz mit 86.305 Neuzulassungen um 16,9 Prozent zurück, und auch international ist dieser negative Trend festzustellen. Die Ankündigung verschärfter Regulierungen seitens der Europäischen Kommission trifft die ohnehin gebeutelte Zweiradbranche zusätzlich. Mit der Einführung der Euro-4- und Euro-5-Abgasnormen sollen die Emissionsgrenzwerte drastisch reduziert werden. Schon jetzt bedeutet dies einen großen technischen Mehraufwand für die Hersteller. Daher ersuchte die "Association des Constructeurs Européens de Motocycles" (ACEM) die Europäische Kommission im März 2010 um eine angemessene Vorbereitungs- und Erholungszeit für die Motorradbranche vor einer weiteren Verschärfungen der Reglements. "Eine Erholung des Powered-Two-Wheeler (PTW)-Sektors kann nur erreicht werden, wenn das geplante europäische Regelwerk die Folgen der Krise anerkennt und bedenkt", sagte Stefan Pierer, ACEM-Präsident und CEO bei KTM.
Auch die Kunden stellen immer neue Anforderungen an die Zweiradindustrie. Das Motorrad von heute muss den Spagat schaffen zwischen Leistungsausbeute, Fahrerergonomie für unterschiedliche Körperstaturen, Alltagstauglichkeit und gleichzeitig die zunehmend strengen Umweltschutzbestimmungen erfüllen. Elektronische Fahrhilfen befinden sich im Zweiradsektor auf dem Vormarsch, wodurch der Elektronikanteil in den Fahrzeugen und damit das Entwicklungsaufkommen signifikant steigen.
Wie man den Herausforderungen auf technischer Ebene begegnen kann, zeigt die vorliegende Ausgabe der ATZ: Honda hat die neue VFR1200F mit Technologien ausgerüstet, die auch im Automobilsektor auf dem Vormarsch sind. Erstmalig findet ein Doppelkupplungsgetriebe bei einem Motorrad Anwendung. Auch die Direkteinspritzung und die verkleinerten Abmessungen des Vierzylindertriebwerks erforderten umfangreiche Ingenieursarbeit. Mit dem Modell S 1000 RR präsentiert BMW ein Fahrzeug, das mit Fahrerassistenzsystemen wie Traktionskontrolle, Race-ABS, Schaltautomat und einem digitalen Cockpit mit einstellbaren Fahr-Modi eine Vielzahl von technischen Innovationen bietet. Damit steigt BMW nun in das Segment der supersportlichen Motorräder ein.
Auch Triumph hat sich eine Erweiterung des Produktportfolios vorgenommen. Simon Warburton, bei Triumph als Manager für die weltweite Produktentwicklung verantwortlich, sprach mit der ATZ außerdem über Kundenbedürfnisse in Bezug auf Ergonomie und Design von Motorrädern.