Fitnesskur für die Montage
Verglichen mit dem Karosseriebau und der Lackierung zählt die Fahrzeugmontage zu den eher gering automatisierten Bereichen der Automobilproduktion. Vor dem Hintergrund wachsender Effizienzansprüche ergeben sich daraus zahlreiche Herausforderungen. Zusätzlicher Handlungsbedarf erwächst den Montagespezialisten aus der wachsenden Variantenvielfalt sowie den Vorbereitungen auf die Elektromobilität.
Wie das Automobil der Zukunft und dessen Antrieb aussieht, diese Frage beschäftigt momentan die Produktentwickler intensiv. Die Konzepte, die derzeit entstehen, weisen jedoch darauf hin, dass auch die Produktion und die Montage andere Wege verfolgen werden als bisher. Produkt und Produktion werden künftig gleichermaßen einem Wandel hin zu noch mehr Energieeffizienz unterliegen. Gleichzeitig gilt es, die durch die Verästelungen in der Antriebstechnik noch umfassender werdenden Variantenbäume in den Griff zu bekommen und die daraus resultierende Komplexität der Aufgaben in der Fahrzeugmontage effizient zu beherrschen.
In dieser Situation sind neue Technologien und eine zielgerichtete Weiterentwicklung bewährter Prozesse gleichermaßen ein Gebot der Stunde. An Ideen mangelt es den beteiligten Institutionen - egal ob in Forschung oder bei OEMs und Zulieferern - nicht. Besonders agile Leichtbauroboter, neue Ansätze zum automatisierten Umgang mit biegeschlaffen Bauteilen und pfiffige Anlagenkonzepte, mit denen sich volatile Nachfragesituationen abfedern lassen, sind nur drei Beispiele, die wir für diese Ausgabe zusammengetragen haben. Auch das Kleben, seit mehr als 30 Jahren in der Automobil-Endmontage bekannt, aber fast ebenso lange mit dem Rüchlein der Exotik behaftet, gewinnt im aktuellen Innovationsumfeld an Bedeutung. Der ebenso einfache wie nachvollziehbare Grund: Innovative Anlagentechniken und neue Entwicklungen aus der chemischen Industrie bieten vielfach Möglichkeiten zu einer deutlich effizienteren Gestaltung der Klebeprozesse.
Nicht zu vergessen die Bedürfnisse für die entstehenden Automobilwerke in den Emerging Markets. Dort zeichnet sich eine Trendwende ab. Noch für den ersten Dacia Logan (X90) entschied sich Renault in der Montage für einen handarbeitsintensiven Ansatz mit einer niedrigen Automatisierung und dem Einsatz lokal verfügbarer Technologien. Zwischenzeitlich beobachten Anlagenlieferanten wie Dürr Systems deutlich wachsende Ansprüche. Nur noch in ausgesuchten Bereichen sei der Automatisierungsgrad teilweise niedriger, berichtet unser Interviewpartner Dr. Hans Schumacher von Dürr Systems über seine Kunden aus China. Ansonsten gelte es, für jeden Markt Produkte anzubieten, die eine geringe Komplexität bei gleichzeitig hoher Performance aufweisen und mithin hoch verfügbar sind. Der Paradigmenwechsel hat mehrere Gründe. Einer davon lautet schlicht, dass die Zahl der ausgebildeten Mitarbeiter dem weiteren Aufbau von Fertigungskapazitäten nachhinken könnte. In einer solchen Situation können Automatisierungstechniken helfen, das Produktions-Know-how zu vervielfältigen.
(Panoramabild: Kuka; Bild: Volkswagen)