Mehr Sicherheit durch Assistenzsysteme
Sicherheit geht vor. Gibt es zwar Assistenzsysteme, die dem Komfort dienen, legt die ATZ in dieser Ausgabe den Schwerpunkt auf jene Systeme der Unfallvermeidung. Schon die Fahrerabsicht hat einen wesentlichen Einfluss bei einer autonomen Notbremsung auf das Verhalten des Fahrers, sagt Bosch. Professor Lutz Eckstein, RWTH Aachen, erklärt die Interaktion von Fahrer und Fahrzeug per Joystick und grenzt darüber hinaus Forschungsarbeiten der Hochschule von den Aufgaben der Industrie ab. Continental und TU Darmstadt zeigen im Proreta-2-Projekt, wie ein Assistenzsystem für gefährliche Überholmanöver auf zweistreifigen Landstraßen erprobt wurde.
Das Thema Assistenzsysteme hat im Lauf der Jahrzehnte eine rasante Entwicklung hinter sich. Waren es in den Anfängen noch einfache Systeme wie Scheibenwischer oder Fensterheber, kamen später Servolenkung und Bremskraftverstärker dazu. Heute und in Zukunft beherrschen Assistenten für Notbremsung und Überholen, aber auch Einparken, Spurhalten und Abstandhalten zum Vordermann die Arbeit der Entwicklungsingenieure, um die Fahrsicherheit zu steigern und den Komfort zu erhöhen.
Bisher ist nicht bekannt, inwiefern dem Fahrer durch Erkennen seiner Absicht während autonomer Notbremsungen Eingriffsmöglichkeiten auf die Fahrzeuglängsführung belassen werden können. Dies kann einerseits die Verstärkung des Bremsens und anderseits den Abbruch unerwünschter Eingriffe beinhalten. Gerade eine Überstimmungsabsicht kann nicht zuverlässig über die bloße Fahrpedalbetätigung erkannt werden. Bosch untersuchte, wie sich der Fahrer während autonomer Notbremsungen in Abhängigkeit von der Fahrerabsicht – Verstärkung beziehungsweise Überstimmung – verhält. Es werden Algorithmen zur frühzeitigen Erkennung von Überstimmungs- und Verstärkungsabsichten abgeleitet und geprüft.
Professor Lutz Eckstein vom ika der RWTH Aachen führt im ATZ-Interview aus, dass wir in kritischen Situationen besser per Joystick reagieren könnten, weil wir gewohnt sind, die Längs- und Querdynamik gleichzeitig zu kontrollieren. Mit dem Lenkrad und den Pedalen im Auto mache man dies eben nicht gleichzeitig, insbesondere nicht in kritischen Situationen. Bei normaler Fahrt fällt die Koordination der Arm- und Beinbewegung noch relativ leicht, bei einer drohenden Kollision gelingt es den wenigsten Fahrern, während des Bremsens auch noch zu lenken und umgekehrt. Aufgabe einer Hochschule sei es, die Forschung für Innovationen voranzutreiben. Die Industrialisierung von neuen Produkten obliege dann den Firmen.
Basierend auf Versuchen im Proreta-1-Projekt von 2006, stellen TU Darmstadt und Continental im Folgeprojekt ein Antikollisionssystem mit automatischem Notbremsen sowie Ausweichen und Überholen vor. Beide präsentieren hier die Grundlagen des entwickelten Assistenzsystems und die Ergebnisse aus Fahrversuchen. Erkennt das System, dass ein Überholmanöver aufgrund von herannahenden Fahrzeugen im Gegenverkehr nicht sicher durchgeführt werden kann, wird der Fahrer zu einem Abbruch des Überholmanövers bewegt.
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Bild: Continental)