Infotainmentsysteme und Bedienkonzepte
Das Ende des Wildwuchses von proprietären Betriebssystemen für Infotainmentfunktionen scheint in greifbare Nähe zu rücken. Zumindest wächst der Druck auf Seiten der OEMs, gemeinsame Plattformen zu nutzen und sich dem Rhythmus sowie den Anforderungen der Unterhaltungselektronik anzupassen. Aber nur da, wo es Sinn macht und wo Sicherheit und Komfort nicht strapaziert werden. Dieser Hinweis ist nötig, wie Visteon anmerkt. Das Titelthema beschäftigt sich auch Dank der Autoren von Wind River mit den Architekturen, die hinter Mensch-Maschine-Schnittstellen stecken. Und mit den Bedienoberflächen, die jeder Automobilhersteller aufgrund markenunabhängiger Plattformen nun mehr denn je unverwechselbar gestalten muss. Porsche gibt ein Beispiel. Die möglichst einfache und intuitive Bedienung steht im Fokus der Bewertung von Infotainmentsystemen im Automobil. Mit besonderen Herausforderungen werden hier Entwickler von Premiumfahrzeugen, die mit komplexen Systemen ausgestattet sind, konfrontiert. Wir haben Porsche nach Lösungswegen gefragt und den neuen Cayenne ausgeguckt. In dieser Ausgabe der ATZelektronik beschreiben die Autoren des Sportwagenherstellers, wie sie die Funktionskomplexität im neuen SUV in den Griff bekommen haben. Und zwar so, dass der Fahrer so wenig wie möglich vom Fahrgeschehen abgelenkt wird. Porsche wählte klar strukturierte Oberflächen mit dahinterliegenden neuen Rechnerstrukturen. Interessant ist, welche Mittel und Methoden die Zuffenhausener im Entwicklungsprozess des Cayenne einsetzten. Und welche Interaktionsprinzipen aus dem klassischen Bereich der bewussten HMI aber auch aus dem Bereichen der unbewussten HMI wie der Psychoakustik hier zum Einsatz kommen.
Weitere Verbesserungen hat Visteon im Blick. Der Zulieferer zeigt in seiner Fahrzeugstudie unter anderem Ideen für den Fahrerarbeitsplatz der Zukunft und künftige Infotainmentsysteme. Die Autoren sensibilisieren für die sinnvolle Gestaltung von Komfort-und Sicherheitsfunktionen im Cockpit. Der Zulieferer stützt sich auf umfangreiche Ergebnisse aus seinen Kundenbefragungen. Visteon vermittelt an dieser Stelle zwischen dem multimedial verwöhnten Endgerätekunden und dem auf Sicherheit bedachten Autofahrer. Und es muss vermittelt werden, denn Unterhaltungselektronik lässt sich unmöglich eins zu eins in Automobil-Bedienoberflächen umsetzen. Einige Entwickler wissen, dass dies im Zuge der Revolution zum "vernetzten Auto" und zunehmender Funktionsvielfalt im Fahrzeug oft außer Acht gelassen wird.
Eine weitere Anforderung ist die Nachhaltigkeit künftiger Infotainmentsysteme. Dies gelingt unter anderem mit der Synchronisation der unterschiedlichen Produktlebenszyklen Automobil/Endgeräte. Autobesitzern ist es kaum noch zu erklären, warum ihre Infotainmentsysteme im Auto den Entwicklungen im Mobilfunkbereich derzeit noch so hinterherhinken. Sie fragen zu Recht, denn mit einer offenen Plattform wie Android können nun auch Funktionen integriert werden, deren Entwicklung bisher jedes Budget gesprengt hätte, sagen die Autoren von Wind River. Hersteller würden von immer mehr Lösungen für Embedded Software Development profitieren, die Android unterstützen.
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Bild: Visteon)