Biokraftstoffe - Die Alternative?
Dass fossile Energieträger vor der Ablösung stehen, ist breiter Konsens. Nur welche Energieformen die Stelle von Erdöl und Erdgas einnehmen werden, ist unklar. Ginge es allein nach der medialen Beachtung, wäre der Elektroantrieb mit noch ungeklärtem Energielieferanten zur Zeit der große Favorit. Sachlich betrachtet scheitert das Elektroauto im Moment an dem Umstand, nicht genug Elektronen tanken zu können, um eine Alternative für Fahrer zu sein, die es gewohnt sind, fossile Kraftstoffe nachzufüllen. Hier können bislang nur Biokraftstoffe mithalten. Eine Bestandsaufnahme, was die Natur uns bietet.
Und wenn das Erdöl nie entdeckt worden wäre? Wir würden heute nicht Gottlieb Daimler und Carl Benz gedenken, sondern vielleicht Gustave Trouvé und Camille Alphonse Faure, die beide unabhängig voneinander 1881 und damit fünf Jahre vor Benz und Daimler das Automobil vorstellten. Im Unterschied zu den beiden deutschen Erfindern, die sich die notwendige Energie in flüssiger Form aus Apotheken besorgten, griffen die französischen Ingenieure auf Bleiakkumulatoren zurück. Michael Faraday würde heute nicht auf seinen Käfig reduziert werden, der gefährliche Blitzschläge abwehrt, sondern ihm würde wahrscheinlich gehuldigt wie Nikolaus Otto und Rudolf Diesel, denn der Brite entdeckte 1821 die Elektromagnetische Rotation.
Die Bayerischen Motorenwerke hätten - wie 1919 - keinen Höhenweltrekord für Flugzeugmotoren aufgestellt, sondern vielleicht einen für Magnetschwebebahnen. Und Porsche hätte all die Zeit einfach das getan, was das Unternehmen immer schon getan hat, nämlich die schnellsten Autos weit und breit gebaut: Am Anfang im Lohnauftrag von Ludwig Lohner, heute in Eigenregie unter Entwicklungsvorstand Alois Ruf. Unvergessen auch der 917 E, den Ferdinand Piëch in einer Nacht-und-Nebel-Aktion 25 Mal vom Reißbrett auf die Räder stellte und der so schnell war, dass die Oberleitungen in Le Mans erodierten.
Irgendwann wäre Bauer Erwin Diesel, den es nach dem Selbstmord seines Vaters in die norddeutsche Tiefebene verschlagen hätte, die sich jedes Jahr erhöhende Bleisteuer leid gewesen. Er hätte sich an die ihm damals sinnlos erschienenen Basteleien mit seinem Vater erinnert und den ersten mit Rapsöl befeuerten Motor gebaut. Nach und nach hätte man neue Stoffe in der Natur entdeckt, die sich zu flüssigem Treibstoff umwandeln lassen; die Unternehmen, die das Potenzial der Flüssigkeit erkannt hätten, wären Global Player geworden, reine E-Fahrzeughersteller verschwunden. Die Energiedichte der Biokraftstoffe hätte unsere Welt innerhalb kürzester Zeit verändert.
Heute geht es nicht um die Veränderung der Welt, sondern darum, sie zu erhalten, ohne Verzicht üben zu müssen, obwohl der Verzicht auf fossile Energieträger bevorsteht. Das liefert hierzu einen Beitrag zur dezentralen Energieverdichtung von Biokraftstoffen, und die zeigt, wie man diese dann modernen Motoren auf den Block schneidert (siehe im Forschungsteil auf Seite 922), obwohl Unternehmensberater Wolfgang Bernhart das zu teuer findet. Dazu versucht ein etwas Licht in das Dickicht der Biokraftstoffe zu bringen.
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