30.11.2010

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Verknüpfung von aktiver und passiver Sicherheit

Unfallfreies Fahren muss immer als Ergebnis der passiven und aktiven Sicherheit verstanden werden. Dabei verwischt die Grenze zwischen beiden Gattungen, weil Rückhalte- und Assistenzsysteme immer mehr verknüpft werden. Die ATZ zeigt, wie Continental in der Initiative Ko-FAS eine kooperative Sensorik entwickelt hat, um die Verkehrssicherheit per Transponder zu steigern. TRW nutzt erstmals einen schlangenförmigen Kunststoffkolben für die Übertragung des Straffmoments im Gurtstraffer. Rodolfo Schöneburg, Leiter Pkw-Sicherheit bei Mercedes-Benz, erläutert im Interview seine Gedanken zur intensiveren Vernetzung der Systeme.

Das passive Element Sicherheitsgurt wird durch den Gurtstraffer aktiver. Knapp 30 Jahre nach der Weltpremiere des mit Pyrotechnik ausgelösten Gurtstraffers 1981 auf dem Genfer Salon ist der Gurtstraffer zum festen Bestandteil moderner Rückhaltesysteme geworden. Der von TRW entwickelte erste Gurtstraffer wurde zunächst als Sonderausstattung der Mercedes-Benz S-Klasse (W126) angeboten. Nun besteht die jüngste Weiterentwicklung des pyrotechnischen Gurtstraffers durch TRW in der Vereinfachung der Konstruktion zur Kraftübertragung unter Beibehaltung der Funktionalität. Zu diesem Zweck wird beim Gurtstraffer "Snake Pretensioner Retractor Generation 4" (SPR4) anstelle von metallischen Kugeln oder Zahnstangen ein schlangenförmiges Kunststoffkolbensystem verwendet, das auf das Aufrollsystem wirkt. Durch den Einsatz von Kunststoff erzielt TRW eine erhöhte Toleranzunempfindlichkeit, die wesentliche Vorteile bei der Komponentenbeschaffung und -montage biete.

Einen anderen Weg zur Erhöhung der Verkehrssicherheit geht Continental. Dieser Zulieferer zeigt als Koordinator der Forschungsinitiative Ko-FAS zusammen mit 17 Partnern, welches Potenzial in kooperativer Sensorik steckt. Die Einbringung von Transpondern, RFID-ähnlichen Elementen, in die Verkehrsinfrastruktur kann die vorausschauende Sicherheit für Teilnehmer im Straßenverkehr erhöhen, beispielsweise wenn im Straßenverkehr ein Kind zwischen parkenden Autos nicht sichtbar ist und vor ein herannahendes Fahrzeug auf die Straße läuft. Die Integration dieser Transponder in Kleidungsgegenstände, Schulranzen oder auch Mobilfunkgeräte sei gut vorstellbar. So kann das Kind, dessen Kleidung mit Mikrochips ausgerüstet ist, früher per Assistenzsystem detektiert werden. Die technischen Schwerpunkte dieser Initiative waren die Erforschung von kooperativen Transpondersystemen und die Erstellung von Methoden der kooperativen Perzeption sowie die Verknüpfung dieser kooperativen Sensorverfahren mit wirksamen Schutzmaßnahmen am Fahrzeug.

Prof. Dr. Rodolfo Schöneburg erläutert im Interview seine Gedanken zur intensiveren Vernetzung der Systeme und zu Kostenaspekten. Der Leiter der Pkw-Sicherheit bei Mercedes-Benz denkt mittlerweile vor allem über Maßnahmen nach, die in der letzten halben Sekunde vor einem Unfall greifen. Zudem soll bei neu in den Markt gebrachten Systemen möglichst schnell die Kostendegression erreichbar sein. Es nütze nichts, wenn auf Dauer nur die S-Klasse, nicht aber die A-Klasse mit einem bestimmten System ausgestattet werden kann.
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