Akustikentwicklung vor neuen Aufgaben
Die akustische Auslegung von Komponenten und Gesamtfahrzeugen muss steigenden Anforderungen genügen. Doch nicht nur die akustische Qualität im Detail treibt die Branche. Auch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs erfordert von den Geräuschspezialisten ein hohes Innovationsvermögen. Gilt es doch heute festzulegen, wie das Elektroauto von morgen klingen soll.
Wer bei BMW mit einem Psychoakustiker auf Probefahrt geht, erlebt einen modifizierten Mini der besonderen Art. Auf Knopfdruck lässt sich der Sound des Kleinwagens umschalten. Mal klingt er dann wie ein Formel-1-Bolide, mal wie ein amerikanischer Achtzylinder-Straßenkreuzer und mal ganz normal, wie ein Serien-Mini halt so klingt. Das erstaunliche dabei: Je nach Geräuschkulisse, die von einem Synthesizer stammt und täuschend echt aus den Radiolautsprechern schallt, verändert sich fast augenblicklich der Fahrstil.
Was wie eine Spielerei klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Akustiker und Wahrnehmungspsychologen müssen derzeit auf einer Vielzahl von Baustellen gleichzeitig tätig sein. Da ist zunächst einmal die stete Weiterentwicklung des Wahrnehmungskomforts im Einklang mit den übergeordneten markenspezifischen Zielen. Da ist aber auch die bislang nicht beantwortete Frage, wie denn die Elektroautos der Zukunft klingen sollen. Das sonore Surren des Elektromotors selbst wird nicht reichen, um bei Fahrradfahrern und Fußgängern die Sinne vor der Gefahr eines herannahenden Autos zu schärfen. Darauf weisen völlig zu Recht die Blindenverbände und andere Organisationen hin. Doch spätestens wenn ein natürlicher Klang nicht ausreicht, kommen Töne aus dem Synthesizer ins Spiel. Dass sich über deren Auslegung jedoch trefflich streiten lässt, versteht sich fast von selbst.
Ganz anders sieht es bei den Geräuschemissionen in das Fahrzeuginnere aus. Was die angeht, herrscht weitgehende Einigkeit, dass sie möglichst leise sein und vor allem nicht als störend empfunden werden sollen. Diese Forderungen folgen einer allgemeinen Qualitätsspirale. Zunächst waren die Verbraucher froh, mit Fahrzeugen wie dem Messerschmitt Kabinenroller, dem Opel Laubfrosch oder dem Goggomobil überhaupt individuell mobil sein zu können. Als dieses zur Selbstverständlichkeit geworden war, stiegen die Anforderungen hinsichtlich der Transportqualität in Form von Zuverlässigkeit, Leistungsvermögen und Komfort. In einem nächsten Schritt gelangte die Verkehrssicherheit an die Spitze der Kundenwünsche, wobei von den Verbrauchern vorausgesetzt wird, dass auch Innovationen in anderen Themenfeldern wie etwa der Akustik fortgesetzt werden.
Diese Entwicklung spiegelt sich in der Titelstrecke dieser Ausgabe wider. Unser Autorenteam von Head acoustics setzt sich mit den veränderten Aufgabenstellungen in der auseinander. Ein Beitrag von Autoneum, ehemals Rieter Automotive, beschreibt ein neues , mit dem langwierige Tests in speziellen Nachhallräumen substituiert werden können. Und unser Interviewpartner von der ETH Zürich zeigt die akustischen Vor- und Nachteile der Faserverbundkunststoffe im Vergleich mit Stahl, Aluminium und Magnesium auf.
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Bild: Giordano Aita / Fotolia.de)