High-End-Motorentechnik
Für Ingenieure ist sie das Salz in der Suppe, für Kostenrechner oft ein Graus: High-end-Motorentechnik. Oftmals lassen sich nur mit innovativen Systemen die anspruchsvollen, teilweise gegenläufigen Entwicklungsziele bei modernen Motoren vereinen, wie wenig Emissionen, geringer Kraftstoffverbrauch, hoher Fahrkomfort und große Motorleistung. Dabei ist die Einführung neuer Technik im Luxussegment häufig Wegbereiter für den späteren Massenmarkt, sodass hohen Startinvestitionen künftige Stückzahleneffekte gegenüberstehen können.
Die Anforderungen an moderne Motoren steigen ständig. Einerseits werden die Emissionsvorschriften zunehmend strenger, anderseits wünschen Kunden Motoren mit immer weniger Kraftstoffverbrauch und, insbesondere im Luxusbereich, hoher Leistung und großem Komfort. Diese teilweise widersprüchlichen Entwicklungsziele machen umfangreiche Modifikationen an den Antrieben erforderlich, oftmals verbunden mit der Einführung neuer Systeme oder Funktionen.
Die Antriebsentwicklung muss dabei einen breiten Spagat leisten, denn primär kostenoptimierte Konzepte für preissensible Segmente stehen in starkem Kontrast zu den hohen technischen Ansprüchen der Oberklasse. Das gilt sowohl innerhalb eines Marktes als auch global, wo die Anforderungen neuer Märkte gegen die Emissionsregularien sowie Kundenerwartungen moderner Industriestaaten stehen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass die Luxusklasse bei Innovationen in der Regel Wegbereiter für den Massenmarkt ist, der früher oder später auch mit den Systemen ausgerüstet wird. Wer eine neue Technik früh in sein Motorkonzept integriert, kann sich daher einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Er kann wertvolle Erfahrungen sammeln und sie später für Folgeprojekte nutzen. So galt der Dieselmotor noch Mitte der 1980er-Jahre als phlegmatischer Antrieb für Pkw, allenfalls für Taxis und Vielfahrer geeignet. Mit der High-end-Technik Direkteinspritzung - zusammen mit der Turboaufladung - änderte sich 1989 das Bild: Der Audi 100 zeigte, dass Dieselfahrzeuge durchaus sportlich sein können. Schon kurze Zeit später folgte im Konzern der VW Golf TDI, welcher der Direkteinspritzung dann eine breite Marktbasis verschaffte. "Demokratisierung der Technik" haben Marketingexperten dieses Phänomen einige Jahre später getauft.
In der Titelstrecke dieser Ausgabe zeigen wir aktuelle Beispiele für Innovationen der High-end-Motorentechnik. Professor Friedrich Indra skizziert, inwieweit die bei Ottomotoren Potenzial zur Verbrauchs- und Emissionsreduzierung bietet, beispielsweise als Ersatz für Downsizing. Auch Borg Warner widmet sich dem Ventiltrieb und stellt sowohl für Otto- als auch Dieselmotoren vor. Ausschließlich für den Dieselmotor relevant sind die von Kolbenschmidt untersuchten , die speziell für den Einsatz im Pkw konzipiert sind. Im Interview skizziert , in welche Richtung die Antriebsentwicklung bei Porsche gehen wird.
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Bild: Daimler)