10.10.2011

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Elektrifizierung des Antriebs

Die Bandbreite der Elektrifizierung kann nicht größer sein: der große Entwurf eines modular kombinierbaren elektrischen Antriebs und ein nicht weniger komplexes, aber kleines Gebilde: der Elektrolyt. Diese Elektrochemie sorgt für den Ladungsaustausch in Lithium-Ionen-Batteriezellen. Beide Systeme sollte ein Hochtechnologieland, wie es Deutschland für sich beansprucht, beherrschen. Schaeffler stellt sich den Erwartungen mit einem elektrischen Allradantrieb. Bei den Elektrolyten zeigt Merck, wie man mit neuen Mixturen Batterien langlebiger und sicherer machen kann.

Landauf, landab ist der kritische Ruf zu hören, dass die deutsche Automobilindustrie in der Entwicklung von Hybrid- und Elektrofahrzeugen mächtig aufholen muss, um im internationalen Wettbewerb gut dazu stehen. Doch stimmt das? Sicher nicht uneingeschränkt in allen technischen Disziplinen. Denn einige Unternehmen im Land haben dem starken Wettbewerb etwas entgegenzusetzen. Unter anderem, weil elektrische Systeme nur dann wirklich gut sein können, wenn perfekte Mechanik die Basis bildet.

So wie bei einer jetzt präsentationsreifen Entwicklung von Schaeffler. Der Zulieferer stellt in ATZelektronik ein allradbetriebenes Elektrofahrzeug namens "Active eDrive" vor. Der Name steht in erster Linie für die Innovation und das Alleinstellungsmerkmal des Antriebs: ein Elektrodifferenzial mit Torque-Vectoring-Funktion, mit deutlich verkürzten Ansprechzeiten im Vergleich zur hydraulischen Aktuatorik.

Das System vereint den Achsantrieb mit einer intelligenten Querverteilung der Momente. Bei Einsatz an beiden Achsen ist eine Momentenverteilung in Fahrzeuglängsrichtung realisierbar. Das Achsgetriebe lässt sich in Elektro- und Hybridfahrzeugen mit und ohne Range Extender integrieren. Gelingt die marktfähige Umsetzung solcher Antriebe, ist Deutschland mehr als konkurrenzfähig.

Im Gegensatz zur nationalen Energiespeicherkompetenz. Während nämlich auf der Systemebene von Batteriemodulen der internationale Konkurrenzkampf noch gewonnen werden kann, ist der Zug auf Zellebene abgefahren - auch wenn es in der Branche vereinzelt andere Meinungen gibt. Doch selbst Optimisten wissen, dass Elektrolyte von koreanischen und japanischen Unternehmen zugekauft werden müssen. Einzig BASF und Merck haben angekündigt, eine Elektrolyt-Fertigung aufzubauen. In unserer Titelgeschichte erzählt Merck objektiv und selbstkritisch, was technisch umgesetzt werden muss und wie "der Kuchen" unter internationalen Anbietern bereits aufgeteilt ist.

Selbstkritisch reflektiert auch Professor Burkhard Göschel die deutsche Position. Der Cheftechnologe bei Magna International schätzt im Gespräch mit ATZelektronik die Grenzen des überhaupt Machbaren ein. Beispielsweise bei Batterien fordert er einen Technologiesprung: "Nicht bei aktuellen Akkuchemien hinterher rennen, sondern konsequent an künftigen Generationen von Energiespeichern forschen."

Ab auf die Überholspur. Der Wettbewerb auf dem E-Mobilitätssektor ist so dynamisch, dass selbst Leuchtturmprojekte überholt werden, sagt Göschel, der in der Nationalen Plattform Elektromobilität mitarbeitet.
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