Optimaler Wirkungsgrad durch bessere Getriebe
War die Getriebewelt bis vor zehn Jahren noch in schöner Ordnung, ist seitdem ordentlich Bewegung in die Branche gekommen. Zuvor noch mit den klassischen Produkten Handschaltgetriebe und Wandlerautomatikgetriebe bestens bedient, gilt es heute, auch Doppelkupplungsgetriebe und CVT optimal zu entwickeln, ohne die beiden erst genannten zu vernachlässigen. Außerdem kommen neue Aufgaben auf das Getriebe zu, die sich durch Elektroautos und Hybridfahrzeuge ergeben. Aber eines bleibt bestehen: Der "Drehmomentmanager" muss die Momente zwischen Motor und Rad so effizient und komfortabel wie möglich verteilen.
Bei der Entwicklung von Fahrzeug getrieben werden folgende Hauptziele verfolgt: hoher Wirkungsgrad, um gegenwärtige und künftige Anforderungen an die CO2-Emission zu erfüllen, große Variabilität durch Einsatz modularer Radsätze sowie hoher Schaltkomfort. Das Ganze muss vor dem Hintergrund erfolgen, Zusatzfunktionen wie Stopp-Start-Fähigkeit, Rückwärtsgang sperre sowie Hybridmöglichkeit realisieren zu können.
Auf der IAA 2011 präsentierte Daimler die neue Mercedes-Benz B-Klasse als erstes Modell der neuen Fahrzeugarchitektur "New Generation Compact Cars". Abgestimmt auf Gesamtfahrzeugkonzept und -layout wurden mit dem zwei von Grund auf neue Frontantriebs-Getriebe entwickelt. Das Doppelkupplungsgetriebe ersetzt das bisher in der B-Klasse verwendete stufenlose Automatikgetriebe namens Autotronic. Innerhalb von drei Jahren konzipierte Daimler dieses Getriebe, das sich durch sein innovatives Radsatzkonzept und die kompakte Bauweise auszeichnet. Um ein geringes Trägheitsmoment und eine hohe thermische Robustheit zu erhalten, setzte man, im Gegensatz zu am Markt befindlichen Getrieben, auf eine nasse Doppelkupplung, als ölgekühlte Lamellenkupplung ausgeführt.
Um beim Thema Elektromobilität weiterzukommen, hat Getrag einen konzipiert, der zum einen die Reichweitenverlängerung (Range Extender) für das Elektrofahrzeug beinhaltet und zum anderen die Fähigkeit unterstreicht, den Verbrennungsmotor im Parallelbetrieb mit dem Elektromotor zu unterstützen (Boosted). Ein Zweigang-Planetengetriebe wandelt die Drehmomente des Elektromotors für kurze emissionsfreie Fahrten bis zu 50 km. Der Verbrennungsmotor kann durch den Elektromotor unterstützt werden oder mechanisch den Triebstrang antreiben.
Bei der Konzeption erster Elektroautos kam die Furcht auf, dass mit dem Einzug des idealen Antriebs, des aus dem Stillstand heraus drehmomentstarken Elektromotors, auch das Getriebe verschwindet. Dem ist nicht so, vielmehr sind nun sogar drei Gänge wahrscheinlich. Und auch das stufenlose Automatikgetriebe stirbt keineswegs aus. Vielleicht in Deutschland, aber nicht in Japan. Weltweit wird jedes siebte produzierte Automatik-Fahrzeug mit einem solchen Getriebe ausgestattet - mit steigender Tendenz. Im mit dem Direktor des Instituts für Fahrzeugtechnik, Professor Ferit Küçükay, von der TU Braunschweig werden diese Aspekte weiter vertieft.
(Bild © Daimler)